Ein blauer Traktor zieht einen großen Pflug durch ein goldenes Weizenfeld, mit einem kleinen Dorf und einer Kirche in der Ferne, unter einem klaren blauen Himmel.

Landwirtschaft mit Traktor

Die Sennebauern

Zwischen Sandboden und Ernteglück

Bauerntum und Landwirtschaft in der historischen Senne

Leben mit und auf kargen Böden

Einfallsreichtum, Geduld und harte Arbeit – mit diesen Leitsätzen suchten sich die Menschen der historischen Senne kreative Wege, um die kargen, sandigen und nährstoffarmen Böden nutzbar zu machen.
Anders als in anderen Teilen Westfalens waren die Böden in der Senne wenig fruchtbar und die Menschen lernten, in engem Einklang mit der Natur das Leben zu meistern.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die sogenannte Plaggenwirtschaft. Dabei handelt es sich um eine alte und traditionsreiche Form der Landwirtschaft, bei der aus der Heidelandschaft dünne Soden (sogenannte Plaggen) per Hand mit dem gesamten Wurzelwerk ausgestochen wurden. Diese Plaggen wurden anschließend als Einstreu in den Ställen verwendet, wo sie, gemischt mit den Exkrementen der Tiere, zu wertvollem Dünger wurden. Die Böden, auf die der Mist aufgetragen wurde, wurden über die Jahre hinweg fruchtbarer und konnten somit von den Menschen erfolgreich und nachhaltig beackert werden. Man nennt sie „Plaggeneschböden“. Dort, wo etwa 250 Jahre Plaggenmist aufgetragen wurde, wuchsen sie ungefähr ½ Meter an.

Die Plaggenwirtschaft warf jedoch auch Schattenseiten auf. Durch die regelmäßige systematische Entnahme von Heideplaggen entwickelte sich eine zusätzliche Verarmung der Heidevegetation.


Fun Facts - Wusstet ihr schon...?

Mehrere weiße Gänse versammeln sich auf einem Feld mit hohem Gras und gelben Blumen, in der Ferne sind Bäume zu sehen.
Drei Kühe grasen auf einer üppigen grünen Wiese, mit einem Baum und einem Zaun im Hintergrund.

Tierhaltung und Feldfrüchte in der Senne

Was das Land so hergab

Die Tierhaltung und die Landwirtschaft waren eng miteinander verbunden. Die Haltung von Tieren wie Schweinen, Kühen, Federvieh und Schafen sicherte das Überleben der Menschen in der historischen Senne. Alles, was die Tiere hergaben, wurde nachhaltig und kleinteilig weiterverarbeitet. So spielten auch die Jahreszeiten eine wichtige Rolle: Lange Stallzeiten im Winter bedeuteten im Umkehrschluss mehr Dünger für den kommenden Frühling für die Felder.

Die Erträge der landwirtschaftlichen Bemühungen waren nicht massig, sicherten jedoch die genügsame Lebensweise der Menschen. Angebaut wurden robuste Pflanzen, die mit den Bedingungen der Senne gut zurechtkamen: Kartoffeln, Runkeln, Buchweizen, Roggen. Zusätzlich wurden noch Gemüse und Kräuter in den heimischen Gärten angebaut.

In der historischen Senne war Bauer zu sein mehr als ein Beruf – es war ein Leben im ständigen Rhythmus mit der Natur, geprägt von Respekt gegenüber der Landschaft, die trotz aller Widrigkeiten Lebensgrundlage war.


Landwirtschaft in der Senne

Vom kargen Boden zu fruchtbaren Feldern

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine ländliche Szene mit einem pferdegezogenen Pflug, einem Pferd und einer Kirche in der Ferne, während im Vordergrund ein Feld und Bäume zu sehen sind.

Leben vom Land

In der Senne lebten viele Menschen zum größten Teil von der Landwirtschaft.
Feldfrüchte wie Buchweizen, Kartoffeln und Roggen gediehen auch auf dem nährstoffarmen und sandigen Boden. Runkeln, Seradella und Lupinen wurden als Viehfutter angebaut, wobei die Lupinen zusätzlich auch zur Verbesserung der Böden untergegraben wurden. Die Plaggenwirtschaft spielte bei der Bodenverbesserung die tragendste Rolle. Mit Tiermist vermischte Heideplaggen wurden als natürlicher Dünger auf den Böden verteilt und machten diese somit fruchtbar. 

Knochenbachtal um 1960

Bäche, Wiesen und Kastentäler

Besonders typisch für die trockene / obere Senne, etwa das Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes, waren sogenannte „Kastentäler“. Diese von Natur aus vorhandenen Täler wurden von den Menschen künstlich verbreitert. Der Sand der Talränder wurde von Menschenhand in die Bäche gekarrt. Diese nachhaltige Veränderung der natürlichen Gegebenheiten wird auch „Wiesenbrechen“ genannt. Daraus entstanden wertvolle Wiesen, die aufgrund der Feuchtigkeit nur in den Bachgründen möglich waren.

Diese Eingriffe in die Natur brachten jedoch auch Nachteile mit sich: Der bachabwärts gespülte Sand ließ die Bäche in der feuchten / unteren Senne anwachsen, versanden und beeinträchtigte dadurch sogar Mühlen bis ins Delbrücker Land.

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine ländliche Szene mit einem Pferdewagen, einem Mann mit einem Sack und einer Frau mit einem Korb, mit einem Holzzaun und Bäumen im Hintergrund, vor einer alten Mühle.

Mühlen und Wasserkraft

Um die Wasserkraft der Bäche zu nutzen, entstanden über die Zeit mehrere Mühlen. Darunter die Krollmühle und die Staumühle. Bei beiden Mühlen handelte es sich um sogenannte „Mahlmühlen“. In Haustenbeck befand sich zudem die Poppenmühle. Sie waren ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und alltäglichen Lebens in der Region und sicherten die Versorgung der Bevölkerung.
In den Mahlmühlen wurde das Getreide zu Mehl weiterverarbeitet. Daneben gab es weitere, spezielle Mühlentypen wie die Bokemühlen, in denen Flachs weiterverarbeitet wurde. In den Ölmühlen wurden aus ölhaltigen Pflanzen wertvolle Öle gewonnen. Im späteren Verlauf kamen Sägemühlen hinzu, in denen Holz für den Hausbau und das Handwerk verarbeitet wurde. Diese wurden nach dem Jahre 1900 zum Teil auch mit Turbinen zur Stromproduktion ausgestattet. Die Mühlen galten als wichtige wirtschaftliche Standorte für die Bewohner der Senne.

Der Göpel

Maschinenkraft und Tierarbeit

Die Wasserkraft der Bäche wurde von einigen Stätten auch über einen Drahtseilantrieb genutzt. Damit wurden landwirtschaftliche Gerätschaften auf den Deelen angetrieben. Die Mehrheit der Haushalte nutzte jedoch einen sogenannten Göpel. Das war ein Antrieb vor der Deelentür, bei dem ein Pferd oder eine Kuh die nötige Kraft lieferte. In späteren Zeiten wurden zudem auch große Dampfpflüge eingesetzt, die tiefere Ortsteinschichten aufbrachen und somit den Ackerboden verbessern konnten. 


Eine ruhige Flößwiese mit einer kurvenreichen unbefestigten Straße, einem grasbewachsenen Feld, einem kleinen Bach und einem Holzzaun mit einem weiß-schwarz gestreiften Pfosten im Vordergrund.

Historische Flößwiesen in der Senne

Bewässern, düngen, erhalten

Eine besondere Form der Landbewirtschaftung stellt das „Flößen“ dar. Es wurde überall in der historischen Senne praktiziert und stellt ein besonders ausgeklügeltes System zur Düngung und Bewässerung von Wiesen dar. Hierbei stand die Düngung klar im Vordergrund.

Das Wasser wurde gezielt angestaut und dann kontrolliert über sogenannte „Flößgräben“ über die Wiesen geleitet. Die im Wasser gelagerten organischen Schwebstoffe düngten den Boden und begünstigten das Wachstum der Gräser. An zweiter Stelle stand die Verbesserung des Wasserhaushaltes in trockenen Zeiten.

Die Menschen passten sich so der Umgebung an und optimierten die landwirtschaftliche Nutzung der kargen Böden. Sie erschlossen durch die entstandenen „Flößwiesen“ weitere, wertvolle Bewirtschaftungsflächen. Heute erinnern nur noch Flurnamen wie „Flößwiese“ rund um Haustenbeck an dieses klug durchdachte System der Landwirtschaft.