Eine Schwarz-Weiß-Fotografie eines Fachwerkhauses, der Poppen Hof, mit Holztür, Fenster und Dach, vor der eine Person steht und im Vordergrund Hühner zu sehen sind.

Architektur und Wohnen

Dörfer, geformt vom Rhythmus der Natur

Architektur im Rhythmus der Natur

Die historische Senne in Holz und Stein

Zwischen den sandigen Böden, teils kargen Landschaften und dichten Kiefernwäldern der Senne schufen sich die Menschen unter schwierigsten Bedingungen ihr Eigenheim. Dabei waren die Häuser in früheren Zeiten Wohnhaus, Stallung und Betriebsstätte zugleich. So entstanden über viele Jahre ganze Dörfer, die sich um den Ortskern herum bildeten, die den Bedürfnissen der Menschen und ihrem Lebensstil angepasst waren. Größtenteils lagen alle weiteren Höfe jedoch verstreut in Einzellage um die Ortskerne der Hövelsenne und von Haustenbeck herum. Die kluge und pragmatische Bauweise der Wohn- und Arbeitsstätten zeugt noch heute von einer optimalen Nutzung von natürlichen Materialien und dem Einsatz von geschicktem Handwerk.


Eine Schwarz-Weiß-Fotografie einer rustikalen Deele mit Holztür, Fenster und Holzbank sowie Eimer, Schüssel und Besen auf einem Regal.

Wohnen zwischen Stall und Stube

Typisch für die Senne waren die sogenannten Sennekotten – hierbei handelt es sich um bäuerliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die Aufteilung war einfach und diente dem Zweck. Es gab eine Küche, die gute Stube, Schlafkammern und die Deele. Der Viehstall wurde oft direkt in die Bauweise integriert, da die Wärme der Tiere an kalten Tagen auch als Heizung der Wohnräume diente.


Wohnen und Leben in der historischen Senne

Alltag zwischen Küche, Deele und „Guter Stube“

Viele Kulturen werden unter einem spannenden Fakt vereint – das Zentrum des häuslichen Lebens ist die Küche. Auch bei den Menschen der historischen Senne war die Küche der Dreh- und Angelpunkt des Alltags und Familienlebens. Hier wurde nicht nur gekocht, sondern miteinander gegessen, zusammengesessen, gesprochen und gelebt. In der Küche spielten die Kinder und machten ihre Hausaufgaben, wenn die Mutter die häuslichen Arbeiten verrichtete. Abends kam die Familie nach einem schweren Arbeitstag zusammen. Die sogenannte „Gute Stube“ wurde hingegen nur zu besonderen Anlässen genutzt, etwa wenn Verwandte zu Besuch kamen oder an Feiertagen. Ansonsten spielte sich das Leben in der Küche oder auf der Deele ab.

Zu sehen ist eine gusseiserne Wasserpumpe in einer alten Küche.

Wasser marsch

Ein Fortschritt für viele Familien war die in der Küche verbaute Schwengelpumpe – ein Gang zum Brunnen und schweres Wasserschleppen wurden somit durch eine hilfreiche Modernisierung erspart.

Ein alter schwarz-weißer Holzofen mit einem weißen Topf und einem Wasserkocher steht auf einem grünen Kachelboden, daneben ein Korb mit Brot und ein rot-weiß gestreiftes Handtuch.

Alltags-Allrounder

Der holzgefeuerte Küchenherd war eines der wichtigsten Hilfsmittel in der historischen Küche. Auf ihm wurde gekocht, in gusseisernen Waffeleisen Waffeln gebacken, in einem Kaffeeröster Gerstenkörner für Gerstenkaffee geröstet, Brot und Kuchen im integrierten Backofen gebacken, Wechselbügeleisen erhitzt und Wasser erwärmt. Außerdem stellte man abends die nass gewordenen Holzschuhe zum Trocknen auf die Backofenklappe. Wegen der vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten wurde der Herd in der Küche auch „Kochmaschine“ genannt.

Auf dem Bild sind unterschiedliche alte gusseiserne Handbügeleisen mit Handgriffen.

Heiße Sache

Ein weiterer wichtiger Helfer im Alltag waren die Kohle-Bügeleisen. Diese gusseisernen Bügeleisen wurden mit heißen Kohlestücken aus dem Holzofen gefüllt und erhitzten sich. Da der Rauch der Kohlen jedoch unangenehm ins Gesicht zog, wurden sie mit einem kleinen Schornstein ausgestattet, aus dem der Rauch am Gesicht vorbei aufsteigen konnte.


In einem alten Bett befinden sich ein weißes, spitzenbesetztes Kissen, eine braune Metallflasche, ein Backstein und eine Keramikflasche mit Sand.

Schlafen auf Stroh und mit heißem Sand

Überlebensstrategien in kalten Zeiten

Die Schlafkammern der Familien waren einfach und zweckmäßig eingerichtet. Betten, Holztruhen, Waschkommode und Kleiderschränke waren die gängigsten Möbel, dazu Nachttöpfe, da ein Gang zur Toilette meist nur außerhalb des Hauses möglich war.

Oft schliefen die Kinder alle gemeinsam in einem Bett, während die Eltern sich ein Bett teilten. Zwar fehlte es häufig an Platz, an Wintertagen konnte man sich jedoch so auch gegenseitig wärmen.
Die Matratzen bestanden aus mit Stroh gefüllten Säcken, die regelmäßig frisch befüllt wurden und direkt auf Holzbrettern auflagen. An besonders kalten Tagen wärmten mit heißem Sand gefüllte Steinhäger-Flaschen (Tonflaschen) oder mit Wasser befüllte Metallwärmflaschen oder auch ein im Backofen des Herdes erhitzter Backstein.

Die fehlende Isolierung und einfache Bauweise ließen vor allem an den kalten Herbst- und Wintertagen die Zähne klappern, doch die Eisblumen an der Innenseite der Fenster blieben vielen ehemaligen Bewohnern der historischen Senne als wunderschönes Naturschauspiel ihrer Kindheit in Erinnerung.


Ein Blick in ein altes Plumsklo. Zu sehen sind weiß gekalkte Wände, ein hölzerner Deckel und ein hölzerner Sitz. Auf der Ablage steht ein Kerzenhalter aus Metall mit einer Kerze.

Sanitäranlagen der Vergangenheit

Einfach und zweckmäßig

Die Sanitärräume beschränkten sich meist auf eine außenliegende Toilette mit Jauchegrube und eine Waschschüssel für die tägliche Hygiene. In den seltensten Fällen befanden sich Toiletten direkt in den Gebäuden. Die Jauchengruben dienten jedoch einem wichtigen Zweck – nach ihrer Entleerung wurde der Inhalt als Dünger auf den nährstoffarmen Böden verteilt und düngte somit nachhaltig die zu beackernden Felder. 
In allen Familien war der Badetag zudem mit erheblichem Aufwand verbunden. Jeden Samstag wurde eine verzinkte Badewanne aufgestellt und mit Wasser gefüllt. Das Wasser wurde zuvor im sogenannten „Bruggepott“ (Viehtopf) erwärmt. Anschließend badeten alle Familienmitglieder nacheinander im selben Wasser. Das war damals die übliche Praxis, da warmes Wasser in großen Mengen nicht selbstverständlich war. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hielten Badeöfen Einzug und brachten ein wenig Luxus mit sich. Dafür musste jedoch eine entsprechende Hauswasserversorgung vorhanden sein, was nur in wenigen Haushalten der Fall war.


Zu sehen sind die alten Bauweisen von Mauerwerk mit Backsteinen und Mörtel.

Von Holz zu Stein

Die bauliche Entwicklung der Senne

Ab dem Jahre 1900 setzte ein erster wirtschaftlicher Aufschwung ein und somit auch verbesserte Transportwege und den zunehmenden Einfluss auf Gewerbe und Handel. Der industrielle Wandel fand jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Die traditionelle Bauweise mit Lehm und Holz wurde nach und nach durch gebrannte Ziegel und Dachziegel ersetzt. Somit wurde es vielen Menschen möglich, sich in den ständig wachsenden Dörfern in einem Haus mit massiver Bauart niederzulassen.
Häuser mit massivem Mauerwerk verbesserten bedeutend den Wohnkomfort. Neben den Wohnhäusern wurden auch Gebäude wie Schulen und Gasthäuser in Ziegelbauweise errichtet.
Das Erscheinungsbild der Senne wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert durch die Übergangsphase von der traditionellen Bauart zu modernen Bauformen geprägt, da viele ältere Höfe noch lange Zeit erhalten blieben.


Leben in Plaggenhütten

Der harte Alltag der Ärmsten

Bis etwa zum Jahre 1850 prägten auch sogenannte Plaggenhütten das Bild der Senne – in diesen einfachen Erdhütten wohnten die Ärmsten der Bevölkerung. Diese Hütten bestanden aus einfachen mit Heide- oder Grasplaggen abgedeckten Holzkonstruktionen. Sie waren weder gut isoliert, noch boten sie ausreichend Schutz vor Wind und Wetter. Das Leben in den Hütten war entbehrungsreich und hart.
Die Bewohner teilten sich die Hütten meist mit wenigen Nutztieren, meist einer Ziege und einigen Hühnern. Arbeit fanden sie gelegentlich bei Bauern in der Umgebung oder konnten sich durch das Spinnen und Verkaufen von Garn geringfügig etwas dazuverdienen.
Die Plaggenhütten standen sinnbildlich für die schwierigen Lebensumstände in der vorindustriellen Zeit – ein Zeugnis von unbeugsamem Überlebenswillen.

Wer sich heute ein Bild von diesen ärmlichen Behausungen machen möchte, wird im Heimatzentrum Senne fündig. Hier wurde eine einzigartige, realistische Rekonstruktion einer Plaggenhütte errichtet.  Eine Besichtigung nimmt die Besucherinnen und Besucher auf eine spannende Zeitreise mit, die in das Leben unter bescheidensten Bedingungen führt. Diese detaillierte Rekonstruktion einer Plaggenhütte trägt nachhaltig dazu bei, die Erinnerung an die Lebenswelt der ärmeren Bevölkerungsschicht zu bewahren und ein Verständnis für die damaligen Lebensumstände zu entwickeln.

Werfen Sie einen Blick in eine Plaggenhütte!