Glaube und Brauchtum im Alltag
Wie die Religion das Leben der Menschen prägte
Der christliche Glaube war ein fester Bestandteil des Lebens und prägte das Leben der Menschen über Generationen hinweg. Im Lipperland war die Bevölkerung überwiegend evangelisch, während die Menschen im Paderborner Raum meist dem katholischen Glauben angehörten. Unabhängig von der Konfession spielte die Religion eine tragende Rolle in vielen Bereichen des Alltags. Sie strukturierte nicht nur das Leben im Jahresablauf, sondern spendete den Menschen Halt, Gemeinschaft und Trost.
Besonders der Besuch des Sonntagsgottesdienstes galt als selbstverständlich und wurde nur in Ausnahmefällen versäumt. Ergänzt wurde er zudem durch die Andacht am Nachmittag. Es wurden nur die nötigsten Arbeiten, wie zum Beispiel die Versorgung des Viehs, verrichtet und geheut werden durfte nur, wenn der Geistliche es von der Kanzel aus ausdrücklich erlaubt hatte. Zudem galt an allen Freitagen und auch in der Fastenzeit der grundsätzliche Verzicht von Fleisch- und Wurstprodukten.
Viele kleinere, aber trotzdem bedeutsame religiöse Handlungen waren fester Bestandteil des Alltags: Jeden Morgen beim Verlassen der Schlafkammer bekreuzigte man sich mit Weihwasser. Kam man an einem Bildstock oder an einem Wegekreuz vorbei, tat man dasselbe mit einem Handzeichen oder die Männer „zogen den Hut“. Bei jedem Mittag- und Abendessen wurde sowohl vor als auch nach dem Essen ein gemeinsames Tischgebet gesprochen.
Weitere kleinere Tätigkeiten wurden bewusst unter den Schutz Gottes gestellt. So wurde zum Beispiel ein Kreuz auf das Land eines frisch bestellten Getreidefeldes gezeichnet, oder auch auf ein neu angeschnittenes Brot.
Der gesamte Jahresablauf war zudem von einer Vielzahl an kirchlichen Festen und religiösen Bräuchen geprägt. Dazu gehörten einige Prozessionen und auch die Krautweihe an Mariä Himmelfahrt. In der Kirche wurde zum Erntedank der Altar als Zeichen der Dankbarkeit für die eingebrachte Ernte festlich von der Gemeinde geschmückt und Pastöre kamen einmal im Jahr zur Haus- und Viehsegnung zu den Leuten.
Die Religion und der Glaube spielten auch in Zeiten von Tod und Trauer eine wichtige Rolle. Verstarb ein geliebter Mensch, versammelten sich Nachbarn und Angehörige zur Totenwache, um gemeinsam Abschied zu nehmen und für den Verstorbenen zu beten.
In der heutigen Zeit sind viele dieser Bräuche seltener geworden oder sogar verloren gegangen. Sie geben jedoch einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswelt vergangener Generationen, für die Glaube, Gemeinschaft und Alltag unzertrennbar miteinander verbunden waren.