Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine ländliche Szene mit einer Kuh, zwei Männern und einem Kind auf einem Feld, mit einem Haus und Bäumen im Hintergrund.

Leben in der Senne

Wo Tradition und Überleben eins wurden

Wo Traditionen Wurzeln schlagen

Über das Leben der Menschen in der historischen Senne

Entbehrung - Bescheidenheit – Tradition – Heimatverbundenheit  
Diese Begriffe umschreiben wohl am besten das Leben der Menschen in der historischen Senne. Karge, nährstoffarme Sandböden zwangen die Menschen zu raffinierten Landwirtschaftsformen, wie zum Beispiel der Plaggenwirtschaft. Mit viel Geschick und Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde, versorgten sich die Bewohner der Senne mit allem, was sie brauchten. Von der Viehhaltung und Weiterverarbeitung von tierischen Produkten, sowie der raffinierten Nutzung von Flachs für die Herstellung von Stoffen nutzten die Menschen alles, was ihnen die Natur gab.
Ebenso prägend wie die erschwerten Lebensumstände war der tief verwurzelte, christliche Glaube, der den Alltag und den Jahreslauf bestimmte. So waren religiöse Bräuche, Prozessionen und gemeinsame Gebete feste Bestandteile im Leben der Menschen, die den Zusammenhalt und die Dorfgemeinschaft stärkten.
So entstand, tief verwurzelt in der Senner Landschaft, eine einzigartige und bodenständige Kultur, die vom Gemeinschaftssinn geprägt wurde.


Fun Facts - Wusstet ihr schon?

Zu sehen ist eine alte Kaffeemühle aus Holz und Metall. Sie steht auf einer alten weißen Arbeitsplatte mit weißen Kacheln im Hintergrund.
Ein üppiger Garten mit einer Vielzahl von Pflanzen, darunter Tomaten, Blattgemüse und Kräuter, mit Holzpfählen und einem Erdweg.
Zu sehen ist ein Regal mit vielen unterschiedlichen eingemachten Früchten und Gemüse. Darunter Kirchen, Pflaumen und Gurken. Die Lebensmittel befinden sich in gläsernen Einmachgläsern.

Ein Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose steht an einem Holzzaun, begleitet von einem Schwein in einem mit Heu gefüllten Stall, mit einem Backsteingebäude und Bäumen im Hintergrund.

Arbeiten im Rhythmus der Natur

Berufe und Tätigkeiten in der historischen Senne

Die Menschen in der historischen Senne lebten überwiegend von dem, was die Natur ihnen gab. Land- und Viehwirtschaft, die Verarbeitung von Flachs und Holz sowie die Verarbeitung von tierischen Produkten prägten das Arbeitsleben vieler Familien.
Die Jahreszeiten spielten bei vielen Arbeiten eine große Rolle. Sie bestimmten, wann gesät, geerntet und gerastet wurde. Körperlich fordernde und schwere Arbeiten wurden oft im Familien- und Nachbarschaftsverband verrichtet.

Glaube und Brauchtum im Alltag

Wie die Religion das Leben der Menschen prägte

Der christliche Glaube war ein fester Bestandteil des Lebens und prägte das Leben der Menschen über Generationen hinweg. Im Lipperland war die Bevölkerung überwiegend evangelisch, während die Menschen im Paderborner Raum meist dem katholischen Glauben angehörten. Unabhängig von der Konfession spielte die Religion eine tragende Rolle in vielen Bereichen des Alltags. Sie strukturierte nicht nur das Leben im Jahresablauf, sondern spendete den Menschen Halt, Gemeinschaft und Trost.

Besonders der Besuch des Sonntagsgottesdienstes galt als selbstverständlich und wurde nur in Ausnahmefällen versäumt. Ergänzt wurde er zudem durch die Andacht am Nachmittag. Es wurden nur die nötigsten Arbeiten, wie zum Beispiel die Versorgung des Viehs, verrichtet und geheut werden durfte nur, wenn der Geistliche es von der Kanzel aus ausdrücklich erlaubt hatte. Zudem galt an allen Freitagen und auch in der Fastenzeit der grundsätzliche Verzicht von Fleisch- und Wurstprodukten.

Viele kleinere, aber trotzdem bedeutsame religiöse Handlungen waren fester Bestandteil des Alltags: Jeden Morgen beim Verlassen der Schlafkammer bekreuzigte man sich mit Weihwasser. Kam man an einem Bildstock oder an einem Wegekreuz vorbei, tat man dasselbe mit einem Handzeichen oder die Männer „zogen den Hut“. Bei jedem Mittag- und Abendessen wurde sowohl vor als auch nach dem Essen ein gemeinsames Tischgebet gesprochen.

Weitere kleinere Tätigkeiten wurden bewusst unter den Schutz Gottes gestellt. So wurde zum Beispiel ein Kreuz auf das Land eines frisch bestellten Getreidefeldes gezeichnet, oder auch auf ein neu angeschnittenes Brot.

Der gesamte Jahresablauf war zudem von einer Vielzahl an kirchlichen Festen und religiösen Bräuchen geprägt. Dazu gehörten einige Prozessionen und auch die Krautweihe an Mariä Himmelfahrt. In der Kirche wurde zum Erntedank der Altar als Zeichen der Dankbarkeit für die eingebrachte Ernte festlich von der Gemeinde geschmückt und Pastöre kamen einmal im Jahr zur Haus- und Viehsegnung zu den Leuten.

Die Religion und der Glaube spielten auch in Zeiten von Tod und Trauer eine wichtige Rolle. Verstarb ein geliebter Mensch, versammelten sich Nachbarn und Angehörige zur Totenwache, um gemeinsam Abschied zu nehmen und für den Verstorbenen zu beten.

In der heutigen Zeit sind viele dieser Bräuche seltener geworden oder sogar verloren gegangen. Sie geben jedoch einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswelt vergangener Generationen, für die Glaube, Gemeinschaft und Alltag unzertrennbar miteinander verbunden waren.


Ein verwitterter Holzschuppen mit einem schrägen Dach und drei Bienenstöcken steht in einem üppigen Wald, umgeben von Bäumen und Büschen.

Süßer Schatz der Heide

Imkerei in der historischen Senne

Auch die Menschen in der historischen Senne hatten einen süßen Zahn, doch Zucker war ein Luxus, den sich wenige leisten konnten. Um trotzdem ein wenig Süße in das Leben zu bringen, griffen sie auf den beliebten Honig zurück. Die Bienen wurden in Strohkörben gehalten. Diese nutzten die reiche Artenvielfalt der Heide als Sammelgebiet. Die Heidekräuter gaben dem Honig im Sommer sein kräftiges und blumiges Aroma und auch das Bienenwachs wurde als wichtiger Rohstoff weiterverarbeitet. Bienen waren zudem auch günstig in der Haltung.

Zwei Männer arbeiten in einer Schmiede, einer hämmert, der andere hält einen glühenden Gegenstand, umgeben von Werkzeugen und einem Feuer.

Vielfalt des Handwerks

Berufe, die die Senne prägten

Das Leben in der Senne umfasste viele unterschiedliche und wichtige Berufe, die das gemeinschaftliche Leben möglich machten. Die Eigenversorgung spielte dabei eine zentrale Rolle. In mühsamer Handarbeit stellten die Bauern zahlreiche Gebrauchsgegenstände selbst her: Weidenkörbe, Holzharken, Seile, Reisigbesen sowie zahlreiche Werkzeuge wurden für den Alltag angefertigt.

Geprägt vom handwerklichen Können versorgte der Schmied die Dörfer mit Hufeisen, Werkzeugen und vielem mehr. Der Stellmacher stellte Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz her. Für Fenster, Türen, Möbel und auch Innenausbauten gab es den Tischler, während der Zimmermann Fachwerkhäuser und Dachstühle errichtete. In alten Zeiten zogen Zimmerleute zudem auch oft von Ort zu Ort und verrichteten dort benötigte Arbeiten.

Ein unverzichtbarer Beruf war zudem der Schneider. Er war entweder sesshaft oder zog von Haus zu Haus, um Kleidung zu nähen und auszubessern. Auch der Schuhmacher und Holzschuhmacher durfte nicht fehlen, da die Menschen für ihren Arbeitsalltag zuverlässiges und langlebiges Schuhwerk benötigten, welches ebenfalls immer wieder sorgfältig repariert wurde.

Für Arbeiten aus Stein war der Maurer zuständig. Dieser war zusätzlich in den Wintermonaten nicht selten auch als Hausschlachter tätig. Weitere wichtige Gewerke waren Bäcker, Putzmacher (Hutmacher), Friseure und Imker.

Für die medizinische Versorgung waren die Menschen in der Senne damals selbst zuständig. Sie halfen sich mit allem, was sie hatten, indem sie Heilkräuter sammelten und daraus Tees, Tinkturen oder Salben herstellten.

So entstand eine lebendige Handwerkskultur, die den Alltag in der Senne über Jahrhunderte prägte.


Kleidung in der historischen Senne

Praktisch, langlebig und schlicht

Funktionalität spielte in der historischen Senne mitunter die größte Rolle – auch im Hinblick auf die Kleidung der Menschen. Die Alltagskleidung musste robust sein und sie spiegelte den ländlichen Lebensstil und die bescheidenen Lebensverhältnisse wider. Sie wurde so oft wie möglich repariert („geflickt“) und wurde nur aussortiert, wenn das nicht mehr möglich war. Im Anschluss verwendete man die ausrangierten Kleidungsstücke als Putzlappen auf dem Hof.

Eine rustikale Szene mit einem schwarzen Stiefel, Holzschuhen und einem mit Holzschuhen gefüllten Weidenkorb vor einer weißen Wand und einem roten Backsteinboden.

Der Holzschuh

Ein Alltagsbegleiter

Widerstandsfähig und beliebt – das waren die Holzschuhe allemal. Sie wurden auch im Winter getragen und wärmend mit Stroh ausgestopft. Im Sommer waren sie luftig und schützten die Füße zuverlässig vor Verletzungen. Zudem waren sie erstaunlich bequem und werden auch heute noch durch einige begeisterte Holzschuhträger vertreten. Nachhaltigkeit und Kreativität wurden von den Menschen gelebt, so fanden auch durchgelaufene Stiefel eine Verwendung – man arbeitete sie einfach an Holzschuhe an. So wurde jede Ressource genutzt und kein Material verschwendet.

Ein hölzerner Schrank auf dem ein Zylinder liegt. An dem Schrank hängt ein schwarzer Frack mit einem weißen Hemd sowie einer grünen Jacke und ein graues Baumwollhemd sowie eine braune Lederhose.

Männerkleidung

Schlicht und funktional

Einfache Hemden aus Leinen und Baumwolle, kombiniert mit robusten Hosen, waren eine alltagstaugliche Bekleidung für die Männer, die täglich auf den Höfen und Feldern arbeiteten. An kälteren Tagen wurden eine Weste und eine Jacke, oft aus Wolle, angezogen. Um Schmutz und Abnutzung nicht allzu sichtbar zu machen, waren die Farben der Kleidung meist gedeckt – praktisch und arbeitstauglich. Festes Schuhwerk, wie zum Beispiel Stiefel aus Leder, schützte die Füße zuverlässig. Zum Schutz vor der Sonne, Staub und Schmutz trugen die Männer oft einfache und bäuerliche Filz- oder Strohhüte. Zu besonderen Anlässen, sowie Fest- und Sonntagen trugen verheiratete Männer Zylinder, eine schwarze Hose und einen Gehrock (Frack). Darunter wurde ein helles Unterteil und ein sogenannter „Ürwerschmeyter“ getragen, der nur den Teil bedeckte, der mit zugeknöpftem Gehrock (Frack) sichtbar war. Somit sparte man sich ein weißes Oberhemd. Natürlich durfte eine Fliege nicht fehlen.

An einem hölzernen Schrank hängen ein blaues und ein schwarzes, langes Kleid, eine geblümte Küchenschürze und ein weißes, langes Unterhemd.

Frauenkleidung

Arbeitstauglich und zurückhaltend

Die Kleidung der Frauen musste ebenfalls für die Arbeit auf dem Feld und im Haus geeignet sein. Sie trugen lange Kleider, Röcke und Blusen, ergänzt durch Schürzen. Um den Kopf zu schützen, wurden Tücher aus Baumwolle oder Leinen diagonal gefaltet und im Nacken oder unter dem Kinn als Kopftuch zusammengebunden. Somit schützten sie sich vor Sonne, Staub und Schmutz bei der Arbeit. Bei Erntearbeiten in der Hitze gab es spezielle größere Schlapphüte. Verheiratete Frauen trugen an Sonntagen eine schwarze Tracht und schwarze Hauben, die je nach Anlass mehr oder weniger verziert waren. Festtags- und Sonntagshauben wurden oft mit Spitze oder Stickereien versehen. Die unverheirateten Frauen hatten dagegen buntere Trachten, dazu eine Kappe, die den Kleidern farblich angepasst war. Das Tragen der alten Trachten ging ab dem Jahre 1900 stark zurück.

Einfluss der Industrialisierung

Mit der Industrialisierung wurde auch die Bekleidung durch das Aufkommen neuer Materialien und die Verbreitung neuer Herstellungsmethoden für die gemeine Bevölkerung erschwinglicher. Die Grundprinzipien der Senne-Kleidung blieben jedoch erhalten: Einfachheit, Langlebigkeit und eine Anpassung an das Leben in der Natur.