Schafe in der Heide

Tiere der Senne

Artenvielfalt und Anpassung
Ein Mann mit grüner Jacke und Hut hütet eine Schafherde auf einer grünen Wiese, begleitet von einem schwarzen Hund.

Leben in der Heide

Tierwelt der Senne

Angepasst an die schwierigen Lebensverhältnisse hat sich in der Senne eine erstaunliche Artenvielfalt entwickelt. Die sonnigen Heideflächen, feuchten Heidemoore und sandigen Böden werden von einer beeindruckenden Vielfalt an Tieren bewohnt. Diese Landschaft schafft besondere Lebensräume mit speziellen kleinräumigen klimatischen Bedingungen, die dadurch entstehen, dass sich der Sand schnell erwärmt. Ob an Land, im Wasser oder in der Luft: Die Naturlandschaft der Senne ist ein wichtiger Zufluchtsort für eine breite Vielfalt an Tieren, die sich seit Jahrhunderten an die natürlichen Gegebenheiten angepasst haben.


Fun Facts - Wusstet ihr schon...?

Ein kleiner, brauner Ameisenlöwe mit einem gestreiften Körper und langen Fühlern krabbelt über einen Sandstrand und hinterlässt eine Spur aus aufgewühltem Sand.
Eine Schafherde, überwiegend weiß mit schwarzen Gesichtern und Beinen, weidet und ruht auf einem üppigen grünen Feld, das von einer Reihe hoher Bäume gesäumt wird.
Ein zartgrauer Schmetterling mit schwarzen Flecken sitzt auf einer rosafarbenen Blüte und zeigt seinen langen Rüssel und seine zarten Flügel vor einem verschwommenen grünen Hintergrund. Es handetl sich um einen Ameisenbläuling.

Wildtiere in der Senne

Zwischen Heide, Wald und Moor

Die Senne bietet mit ihren idealen Bedingungen einen wichtigen Rückzugsort für viele wilde Tiere, die sonst kaum noch einen geschützten Lebensraum finden. Dichte Kiefernwälder, versteckte Moore und Heideflächen bieten Rot- und Damwild, sowie Schwarzwild, seltenen Vögeln und scheuen Reptilien ein Zuhause. Wer durch die Senne wandert muss wachsam sein, oft sind es nur kleine Spuren im Sand oder entfernte Vogelrufe, die auf die wilden Bewohner der Senne hinweisen.

Rotwild

Rotwild

(Cervus elaphus)

Die majestätischen und zugleich sehr scheuen Bewohner beheimaten die ausgedehnten Wälder und offenen Heideflächen der Senne. Sie zählen zu den eindrucksvollsten Wildtieren und finden in der kargen Landschaft die besten Lebensbedingungen für die Hirschkühe, Hirsche und ihren Nachwuchs vor. In der Brunftzeit erklingt das durchdringende Röhren der Hirsche – ein wunderbares Schauspiel der Natur, das in der sonst so stillen Landschaft der Senne besonders hervorsticht.

Damwild

Damwild

(Dama dama)

Das scheue Damwild lässt sich durch sein charakteristisch geflecktes Fell und das Schaufelgeweih leicht von seinen Artgenossen unterscheiden. Es streift über die weiten Heideflächen und sucht in den lichten Wäldern der Senne Schutz und Rückzugsorte. Mit etwas Glück lässt es sich zu einer ruhigen Tageszeit beobachten, ist sonst jedoch selten zu beobachten und lebt eher zurückgezogen in kleinen Gruppen.

Schwarzwild

Schwarzwild

(Sus scrofa)

In den feuchten Senken und dichten Wäldern fühlen sich die Rotten (Wildschweingruppen) besonders wohl. Sie sind kräftig, schlau und anpassungsfähig und haben sich somit einen festen Platz in der Senne gesichert. Sie durchwühlen mit ihren empfindlichen Nasen den Waldboden nach Eicheln, Insekten und Wurzeln und tragen nachhaltig zur Waldbodenpflege bei. Scheu, aber durchaus neugierig, sind sie besonders bei Nacht oder in der Dämmerung unterwegs und hinterlassen dabei deutliche Spuren.

Ein kleiner brauner Vogel mit weißem Gesicht und schwarzem Schnabel sitzt auf einem hellbraunen Zweig und blickt nach rechts in den klaren blauen Himmel. Es handelt sich um eine Heidelerche.

Heidelerche

(Lullula arborea)

Die halboffenen Heideflächen der Senne sind der perfekte Lebensraum für die stark gefährdete Heidelerche. Sie brütet in den Zwergstrauchheideflächen auf dem Boden und singt in den randlichen Kiefernbäumen. Ihre charakteristische Stimme ist weit über die offene Landschaft zu hören und sie ist besonders für ihren auffälligen Balzflug bekannt. Gegenüber Störungen ist die Heidelerche besonders empfindlich, da sie auf dem Boden brütet. Ein ruhiger und geschützter Lebensraum ist deshalb besonders wichtig. Auf den lichten und nährstoffarmen Flächen hat die Heidelerche in der Senne ein hervorragendes Zuhause gefunden. In der Senne gibt es zurzeit mehrere hundert Brutpaare, außerhalb der Senne ist sie jedoch deutlich seltener anzutreffen.

Ein grüner Heidegrashüpfer mit orangefarbener und schwarzer Zeichnung sitzt mit leicht gespreizten Flügeln auf einer rotstämmigen Pflanze und schaut nach rechts.

Heidegrashüpfer

(Stenobothrus lineatus)

Das charakteristische Zirpen des Heidegrashüpfers ist häufig auf der offenen Heidelandschaft zu hören. Erkennen kann man ihn an seinem grün-braunen Tarnkleid, wodurch er oft mit den Farben der Senne zu verschmelzen scheint. Der wärmeliebende Grashüpfer ist ein kleiner, aber faszinierender Bewohner der Senne und gilt zusätzlich als wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Kleintiere.

Eine gelb-schwarz gestreifte Heidekraut-Herbstsandbiene sitzt auf einer rosafarbenen Blüte, umgeben von einer Ansammlung ähnlicher Blüten und einer unscharfen grünen Pflanze.

Heidekraut-Herbstsandbiene

(Andrena fuscipes)

Die Wildbienen stellen in der Senne eine besonders große Artengruppe mit vielen verschiedenen Unterarten dar. Sie besiedeln die typischen Sandlebensräume, zum Beispiel an Kanten und Dünen. Dort bohren sie ihre Brutröhren in den Sand. Das wärmere Kleinklima ist dabei für sie unverzichtbar. Neben zahlreichen anderen Wildbienen findet auch die Heidekraut-Herbstsandbiene auf den sandigen Heideflächen der Senne ihr Zuhause. Sie lebt solitär und bildet somit, anders als die bekannte Honigbiene, keine Staaten. Die Nester werden grabend im Boden angelegt. Als Pollenquelle zur Versorgung der Larven dient ausschließlich das Heidekraut. Die Heidekraut-Herbstsandbiene ist ein spannendes Beispiel für die Anpassungen der Wildbienen in der Region und für die Bedeutung der Senne für hochspezialisierte Tierarten.

Eine grüne Zauneidechse mit braunen Flecken ruht auf einem braunen Felsen, begleitet von einer kleinen grünen Pflanze und einem größeren grünen Blatt.

Zauneidechse

(Lacerta agilis)

Die Zauneidechse ist eine Reptilienart, die sich in halboffenen Lebensräumen besonders wohlfühlt. Die offenen Sandbereiche und bewachsenen Heideflächen eignen sich für sie deshalb hervorragend als Lebensraum. Dort ernährt sie sich von kleinen Insekten und deren Larven. Sie vergräbt ihre Eier im aufgewärmten Sand, der mit seiner Wärme das Ausbrüten der Eier übernimmt. Die Zauneidechse ist zudem eine wechselwarme Art. Das bedeutet, dass sie zur Regulation ihrer Körpertemperatur sowohl warme Sonnenplätze als auch schattige Rückzugsorte benötigt. Die starke land- und forstwirtschaftliche Nutzung nimmt der Zauneidechse jedoch immer mehr Lebensraum. Dadurch gilt sie in vielen Ländern mittlerweile als gefährdete Art. In der Senne hat sie, wie unzählige andere Arten, einen wichtigen Rückzugsort gefunden, den es unbedingt zu schützen gilt.

Eine braun und grün gefleckte Kreuzkröte sitzt auf dem Boden, umgeben von kleinen grünen Pflanzen und Zweigen, mit einem verschwommenen Hintergrund aus grünem Laub.

Kreuzkröte

(Epidalea calamita)

In Deutschland gilt die Kreuzkröte als eine stark gefährdete Amphibienart. In der Senne hat sie einen wichtigen Lebensraum gefunden, in dem sie ungestört und nachhaltig überleben kann. Sie benötigt offene Sandflächen und flache, besonnte Gewässer, die sie als Laichplätze nutzt. Militärische Lebensräume wie Truppenübungsplätze stellen durch die Bearbeitung des Bodens durch Militärfahrzeuge spannenderweise regelmäßig den benötigten Lebensraum der Kreuzkröte wieder her. In der Regel wachsen die offenen Sandflächen und Gewässer zu, was zum Verschwinden dieser Art führt. Die Kreuzkröte ernährt sich von Insekten und Spinnentieren, aber auch von Weichtieren wie zum Beispiel Schnecken. Was besonders ins Auge fällt: Diese Art bewegt sich nicht froschtypisch hopsend fort, sondern krabbelt flink wie eine Maus auf allen vier Füßen voran.

Eine Libelle mit rot-orangem Körper und schwarzen Flügeln ruht auf einem verwitterten Baumstamm und zeigt ihre großen Augen und langen, dünnen Beine.

Heidelibelle

(Sympetrum)

Die Heidelibellen kommen in vielen verschiedenen Unterarten in der Senne vor. Sie zählen zu den Großlibellen und sind, im Vergleich zu anderen Libellenarten, mit meist weniger als 4 cm recht kleine Libellen. Sie bevorzugen langsam fließendes und stehendes Gewässer und fühlen sich in den Heidemooren der Senne besonders wohl. Auch die langsam fließenden Bäche der Senne bieten einen hervorragenden Lebensraum. Als flinke Jäger in der Luft ernähren sich die Heidelibellen von Insekten wie Mücken, Fliegen und Käfern. Auch die Larven ernähren sich räuberisch, zum Beispiel von Wasserflöhen und kleinen Krebsen. Das Weibchen legt seine Eier am Wasser ab, die Larven leben in diesem Stadium ausschließlich unter Wasser. Zu den in der Senne vorkommenden Heidelibellenarten zählen unter anderem die Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum), die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum danae) und die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum).


Von Huf bis Horn

Nutztiere in der historischen Senne

In der historischen Senne waren Nutztiere ein unverzichtbarer Teil des bäuerlichen Alltags. Sie lieferten Nahrung, Kleidung, Zugkraft und sogar Wärme. Somit waren sie aus dem Alltag der Menschen nicht wegzudenken. Jedes Tier, ob Kühe, Hühner, Schafe, Schweine, Ziegen, Rinder oder Pferde, hatte seine feste Rolle im Kreislauf des Jahres. Ob als Milch-, Eier- oder Fleischlieferant, als Transporthelfer oder für die Woll- und Lederverarbeitung. Unter den kargen Bedingungen in der Senne prägten sie das Leben auf den Höfen und Köttern der historischen Senne.

Ein schwarz-weißes Schaf mit gelben Ohrmarken grast auf einer saftig grünen Wiese, mit einem klaren blauen Himmel und Bäumen im Hintergrund.

Schafe

(Ovis)

Als Nutztiere und Landschaftsgestalter spielten Schafe in der historischen Senne eine wichtige Rolle. Vor allem die bekannte Heidschnucke sorgte mit ihrer Beweidung dafür, dass keine Verbuschung auf den Heideflächen stattfand – somit prägten die Schafe das Landschaftsbild der Senne nachhaltig. Durch das Abgrasen von jungen Trieben, Gräsern und Kräutern blieben die Flächen offen und unbewachsen. Die Heidschnucke fand erst in späteren Jahren ihren Einzug in die Senne - das Hausschaf konnte man jedoch in fast jedem Haushalt der historischen Senne wiederfinden. Zusätzlich lieferten die Schafe Wolle, Fleisch und Mist, der als Dünger (in Form von Plaggen) und Brennmaterial benutzt wurde. 

Vier Senner Pferde, zwei braune und zwei schwarze, grasen auf einer saftig grünen Wiese, die von einer Reihe hoher Bäume gesäumt wird.

Senner Pferd

(Equus ferus caballus)

Schon seit Jahrhunderten gilt das Senner Pferd als treuer Begleiter des Menschen und zählt zu den ältesten Pferderassen Deutschlands. Es wurde in der Landwirtschaft sowie als Transport- und Reitpferd eingesetzt. Bei dem Senner Pferd handelt es sich um eine alte Zuchtlinie, bei der die Stuten und Fohlen frei in der Senne lebten. Sie trugen dort nachhaltig zur Offenhaltung der Heidelandschaft bei. Die männlichen Tiere wurden ausgebildet und vor allem als Jagd- und Militärpferde eingesetzt. Das Senner Pferd passte sich mit seinem robusten und genügsamen Gemüt perfekt an die anspruchsvolle Senne an. Bei den edlen Herrschaften galt es als Statussymbol und erreichte auch über die Senne hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Bereits im Jahre 1160 urkundlich erwähnt, ist es ein lebendiges Zeugnis der geschichtsträchtigen Kultur in der Senne und steht für die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur.

Schwein

Schweine

(Sus scrofa domesticus)

Als unverzichtbarer Bestandteil der bäuerlichen Selbstversorgung galt das Schwein als wichtiger Fleischlieferant für die Menschen in der historischen Senne. Schweine wurden oft halbwild oder in kleinen Ställen gehalten und ernährten sich von Küchenabfällen, Eicheln, Bucheckern und allem, was die Natur hergab. Im Spätherbst fand die Schlachtung statt, die ein großes soziales Ereignis darstellte. Familien und Nachbarn kamen zusammen, um bei der Schlachtung und Zerteilung des Tieres zu helfen. Das Schwein wurde gänzlich verarbeitet und kein Stück davon verschwendet. Dabei wurden wichtiges Wissen, Techniken und Traditionen von Generation zu Generation weitergegeben.

Rind

Hausrinder

(Bos primigenius taurus)

In der täglichen Versorgung der Menschen spielten Hausrinder ebenfalls eine zentrale Rolle, da sie Milch, Kraft und Wärme spendeten. Sie wurden täglich von Hand gemolken. Die Milch bildete eine wichtige Basis für viele Lebensmittel: Butter, Quark, Dickmilch und Käse. Das Hausrind diente zusätzlich als Zugtier für ärmere Bauern, die sich keine Pferde leisten konnten. Sie verrichteten schwere Arbeiten wie das Ziehen von Karren mit Brennholz oder Pflügen. Auch der Mist der Rinder wurde als wichtiger Dünger auf den Feldern verwendet. An kalten Wintertagen fungierten sie zusätzlich als Heizung. Auf vielen Höfen wurde der Stall direkt an das Wohnhaus gebaut und nur durch eine einfache Wand getrennt. Die Körperwärme der Tiere heizte somit auch die Wohnräume der Menschen auf.