Besenheide Senne

Wo Heimat Wurzeln schlägt

Die Erinnerung wächst weiter

Die Natur der historischen Senne

Ein Mosaik aus Vielfalt und Kontrasten

Die Senne ist eine besondere und vielfältige Landschaft, die von weiten Heideflächen, lichten Wäldern, feuchten Mooren sowie sandigen, trockenen Böden geprägt ist. Fernab von Straßen und dichten Siedlungen findet eine beeindruckende Pflanzen- und Tierwelt hier einen sicheren Ort, um zu florieren und zu gedeihen. Die besondere Mischung aus kargen Böden, trockener Heide sowie nassen Mooren hat über lange Zeit besondere Lebensräume und Biotope entstehen lassen, an die sich die Flora und Fauna über viele Jahre angepasst haben. Fast 5.000 verschiedene Arten leben heutzutage in der Senne, von denen viele auf der Roten Liste stehen. Außerdem befindet sich eines der wichtigsten Grundwasserreservoirs Nordrhein-Westfalens in der Senne.


Ein Feld mit lilafarbenen Heideblüten erstreckt sich unter einem klaren blauen Himmel, mit einer Reihe von Bäumen in der Ferne und ein paar verstreuten Wolken.

Unzerschnittene Senne

Die Senne wurde erst spät von Menschen besiedelt und letztendlich durch die Ausbreitung des Truppenübungsplatzes geräumt und verlassen. Dadurch ist sie eine der wenigen zusammenhängenden Landschaften in Nordrhein-Westfalen, die fast vollkommen unzerschnitten von Straßen ist. So konnte sich eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt bilden, wie man sie sonst in NRW kaum findet. Paradoxerweise bedeutet die Nährstoffarmut des Bodens einen großen Artenreichtum für die Pflanzen, die in der Senne ihre ganz eigenen Nischen entwickeln konnten.

Eine sandige Dünenlandschaft mit hohen Gräsern und Sträuchern in verschiedenen Braun- und Gelbtönen und einem bewölkten Himmel über uns.

Wo kommt der Sand her?

Der Sand, der die Senne so nachhaltig prägt, erzählt eine Geschichte von Eiszeiten und urgewaltigen Wassermassen. Vor rund 200.000 Jahren, am Ende der sogenannten Saale-Eiszeit, schmolzen die skandinavischen Gletscher, die bis in den Teutoburger Wald vorgedrungen waren. Dadurch wurden Millionen Sandkörner aus dem Sandstein des Hauptkamms nach Süden gespült. So entstanden über viele Jahre 20 bis 40 Meter dicke Schichten aus Sand, die an manchen Stellen sogar noch tiefer gehen.

Ein Teich in einer ruhigen Waldlandschaft spiegelt den klaren blauen Himmel und die umliegenden Bäume wider, mit einem kleinen Stück Schnee auf dem Boden.

Oase des Lebens

Und doch ist die Senne trotz ihrer sandigen Böden alles andere als trocken. Niederschlag wie Regen und Schnee sickert durch die Sandschichten und speist dort die Grundwasserreserven. An den abfallenden Schichten des Teutoburger Waldes tritt das Wasser typischerweise als Sickerquellen hervor, aus denen auch die Sennebäche entspringen. Diese Bäche fließen in die Ems und in die Lippe. Auch hier gibt es Besonderheiten. Der Krollbach teilt sich beispielsweise und speist durch diese Teilung sowohl die Ems als auch die Lippe.

So trocken und karg die Senne auch wirkt, verbirgt sich unter ihrer Oberfläche eine Oase des Lebens.


Fun Facts - Wusstet ihr schon...?

Eine ruhige Sumpflandschaft bei Sonnenuntergang mit einem ruhigen Gewässer, in dem sich die warmen Orange- und Gelbtöne der untergehenden Sonne spiegeln, mit einer Reihe von Bäumen und einem klaren blauen Himmel.
Ein klarer Wasserstrahl plätschert gegen einen dunkelgrünen Felsen und schafft eine dynamische und erfrischende Szene.
Sandiger Boden mit hohem, trockenem Gras und Sträuchern erstreckt sich unter einem wolkenverhangenen Himmel, und in der Ferne steht ein einzelner Baum.

Ein Feld mit lilafarbenen Heideblüten erstreckt sich unter einem klaren blauen Himmel, in der Ferne sind einige Bäume zu sehen.

Die drei Gesichter der Senne

Einzigartige Landschaft und Natur

Die Senne setzt sich aus drei einzigartigen Bereichen zusammen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Die Drumlin-Senne mit ihrer hügeligen und spannenden Struktur, die Feucht-Senne mit ihren Heidemooren und Feuchtgebieten sowie die Trocken-Senne, die durch nährstoffarme Böden und ihre Dünen geprägt ist.

Ein weites Feld mit violettem Heidekraut bedeckt die Landschaft, im Hintergrund stehen zwei hohe Bäume und der Himmel ist bewölkt.

Trocken-Senne

Die "Trocken-Senne" (Obere Senne), die sich unterhalb des Teutoburger Waldes erstreckt, beeindruckt durch ihre einzigartigen Geländeformen. Hier finden sich Dünen, Ausblasungswannen, Trockentäler und wasserführende Kastentäler, die die besondere Landschaft der Region prägen. Diese geologischen Merkmale machen die Trocken-Senne zu einem faszinierenden Ort, der sich durch eine abwechslungsreiche Natur auszeichnet.

Eine ruhige Sumpflandschaft mit einem kleinen Teich, der von hohen Gräsern, Schilf und Bäumen umgeben ist, und einem klaren blauen Himmel über dem Kopf.

Feucht-Senne

Die "Feucht-Senne" (Untere Senne), die sich um Hövelhof herum erstreckt, zeichnet sich durch ihre grundwassernahe Lage aus. Hier prägen von den Bächen selbst geschaffene Dammbetten sowie vermoorte Auenbereiche das Landschaftsbild. Diese feuchten Gebiete bieten einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren einen idealen Lebensraum und tragen zur außergewöhnlichen Biodiversität der Region bei.

Eine sandige Dünenlandschaft mit hohen Gräsern und Sträuchern in verschiedenen Braun- und Gelbtönen und einem bewölkten Himmel über uns.

Drumlin-Senne

Zwischen Bielefeld-Brackwede und Stukenbrock findet man die "Drumlin-Senne". Sie erhält durch markante Moränenrücken, die sogenannten "Drumlins", ihre Besonderheit. Diese hügeligen Landschaftsformen prägen das einzigartige Terrain der Region. Sie entstanden durch das Schmelzwasser von Gletschern während der letzten Eiszeit. Die "Drumlin-Senne" bietet eine aufregende Kombination aus natürlicher Schönheit und geologischer Geschichte.


Grüne Schätze der Senne

Eine Reise durch die außergewöhnliche Pflanzenwelt der Region

Der nährstoffarme und sandige Boden in der Senne bietet einer Vielzahl an spezialisierten Pflanzen einen wichtigen Lebensraum. Die Naturlandschaft wird von widerstandsfähigen Heidekräutern, zarten Gräsern und seltenen Moorpflanzen geprägt. Die vielfältige Natur bietet zudem zahlreichen Insekten und Kleintieren einen bedeutsamen Lebensraum und bildet somit ein artenreiches und beeindruckendes Ökosystem.

Sonnentau

Sonnentau

(Drosera intermedia) und (Drosera rotundifolia)

In der Senne gibt es zwei Arten des Sonnentaus. Den “Mittleren Sonnentau“ (Drosera intermedia), der häufiger vorkommt, und den "Rundblättrigen Sonnentau" (Drosera rotundifolia), der eher seltener zu finden ist. Der Sonnentau ist eine fleischfressende und faszinierende Pflanze, die in den feuchten, moorigen Gebieten der Senne vorkommt. Er fängt mit seinen runden, klebrigen Blättern kleine Insekten, um sich auf dem nährstoffarmen Boden zusätzlich mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Seine zarten, roten Tentakel und die zierlichen Blüten machen ihn zu einem besonderen Blickfang der kleinflächigen Heidemoore der Senne.

Heidekräuter

Heidekräuter

(Ericaceae)

Das Landschaftsbild der Senne wird vor allem durch die prächtigen und leuchtenden Farben der Heidekräuter geprägt. Besonders bestandsprägend ist hierbei die Besenheide (Calluna Vulgaris), die fast 95% der Heidekräuter in der Senne ausmacht. Die Glockenheide (Erica tetralix) besiedelt eher die Feucht-Senne und mischt sich dort unter die Besenheide. Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) ist eine absolute Besonderheit und wächst in den Übergängen zu den Heidemooren. Die Heidekräuter bieten unzähligen Insekten einen wichtigen Lebensraum und haben sich an die schwierigen landschaftlichen Bedingungen in der Senne angepasst. Sie gedeihen hervorragend auf dem nährstoffarmen und sandigen Boden und tragen somit zur Artenvielfalt in der Natur bei. Durch die späte Blühzeit der Besenheide (August bis September) bietet diese Pflanze zusätzlich vielen Insekten auch spät im Jahr noch Nahrung.

Eine leuchtend violette Blüte mit einem zentralen Büschel und zarten Blütenblättern steht vor einem verschwommenen grünen Hintergrund. Es handelt sich um das Bergsandglöckchen.

Berg-Sandglöckchen

(Jasione montana)

Das Berg-Sandglöckchen ist ebenfalls eine Pflanzenart, die die besonderen Bedingungen der Senne bevorzugt. Es gedeiht hervorragend auf den nährstoffarmen und trockenen Sandböden und gehört zu der Familie der Glockenblumengewächse. Das Berg-Sandglöckchen kommt in der Pflanzengesellschaft der Zwergstrauchheiden vor und ist dort eine besonders charakteristische Art. Die himmelblau gefärbten Blütenköpfchen werden im Juli und August von vielen verschiedenen Insektenarten aufgrund ihres Nektars besucht und bieten vor allem den Wildbienen der Senne eine wichtige Nahrungsquelle. Sie ist ein weiteres Zeugnis, dass selbst die nährstoffärmste Landschaft erstaunliche Schönheit hervorbringen kann.

Schmalblättriges Wollgras

Schmalblättriges Wollgras

(Eriophorum angustifolium)

Das "Schmalblättrige Wollgras" wächst sehr beschränkt auf den kleinen Übergängen zu den Heidemooren und ist nur in der Feucht-Senne zu finden. Mit seinen schlanken Halmen prägt es die Landschaft der Senne. Besonders fallen die charakteristischen weißen Fruchtstände auf, die im Wind wie kleine Wattebüschel aussehen. Im Ökosystem der Senne leistet das Wollgras zudem einen wichtigen Beitrag – es hilft, den Moorboden zu stabilisieren und dient als Lebensraum für viele Insekten.

Zwei weiße Ziegen mit braunen Gesichtern und Hörnern grasen auf einer Wiese mit hohem, trockenem Gras und einer Reihe von Bäumen im Hintergrund.

Borstgras

(Nardus stricta)

Das Borstgras ist borstiges, steifes und hellgraues Gras, das in dichten Büscheln in der ganzen Senne zu finden ist. Es gedeiht gut auf trockenen und sandigen Böden und bedeckt dort ganze Flächen. Es liebt sonnige Standorte und schützt die empfindlichen Sandflächen vor Erosion. Die Borstgrasrasengesellschaft ist ein einzigartiges Biotop der Senne und schafft einen wichtigen Lebens- und Rückzugsraum für die Tierwelt der Senne.

Eine mit Blaubeeren und roten Johannisbeeren gefüllte Holzschale steht auf einem Bett aus grünem Moos und Tannennadeln, umgeben von kleinen grünen Blättern.

Heidelbeere und Preiselbeere

(Vaccinium myrtillus) und (Vaccinium vitis-idaea)

In den Kiefernwäldern der Senne lassen sich sowohl die Heidel- als auch die Preiselbeere in üppiger Anzahl wiederfinden. Die Heidelbeere kommt jedoch deutlich häufiger vor. Beide Pflanzen zählen jedoch zu den Zwergsträuchern und tragen wohlschmeckende Früchte. Was weniger bekannt ist: Beide Zwergsträucher gehören ebenfalls zu den Heidegewächsen. Die Heidel- und die Preiselbeeren unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch in ihren Früchten voneinander. Die blauen Beeren der Heidelbeere und die roten Beeren der Preiselbeere sind nicht nur eine wichtige Nahrung für die Tierwelt. In vergangenen Kriegszeiten wurden sie ebenfalls für Soldaten gesammelt.


Die Heideflächen

Von Menschen geschaffene Zentren der Artenvielfalt

Die Heideflächen der Senne sind nicht von natürlichem Ursprung, wie häufig vermutet wird. Sie sind das Ergebnis von jahrelanger Nutzung durch Landwirtschaft, intensiver Beweidung und Plaggenwirtschaft. Diese Nutzung prägt die Pflanzen- und Tierwelt nachhaltig und ermöglicht eine besonders artenreiche Vielfalt.

Um die Heide auch für die Zukunft zu erhalten, ist eine regelmäßige Pflege nötig. Sie wird nicht nur durch die Beweidung von Heidschnucken und den Verbiss durch Dam- und Rotwild freigehalten, sondern auch von Menschenhand. Eine eigene Geländebetreuungsstelle, finanziert durch das britische Militär, übernimmt wichtige Aufgaben für den Erhalt und die Pflege der Heide. Zu den wichtigen Aufgaben zählen zum Beispiel die gezielte Entfernung von jungen Gehölzen, um die Heideflächen freizuhalten.

Mit speziellen Verjüngungsmaßnahmen wird die Heide gesund gehalten. Alte Heide wird entfernt, damit die jungen Triebe nachwachsen können. Um die nährstoffarmen Bedingungen zu erhalten, werden durch Hand oder maschinell auch weiterhin Plaggen abgestochen. Diese Arbeit wird von der Biologischen Station in Paderborn durch regelmäßige Pflegeeinsätze mit Freiwilligen unterstützt. Hier werden beispielsweise einzelne Triebe in mühsamer Handarbeit gezogen.

Hier greifen der Naturschutz und die militärische Nutzung Hand in Hand und erhalten somit die einzigartige Kulturlandschaft der Senne für zukünftige Generationen.


Die Baumkultur der Senne

Ein Blick auf die vielfältige Baumwelt und ihre historische Bedeutung

Die natürlichen Baumbestände der Senne sind auf den nährstoffarmen Boden und die extremen Standortbedingungen angepasst. Die kargen Freiflächen werden von lichtliebenden Kiefern und Birken dominiert. Eichen und Erlen fühlen sich in den feuchteren Gebieten wohl und haben sich dort nachhaltig angesiedelt.

Die Menschen in der historischen Senne prägten den Baumbestand durch die unterschiedlichste Nutzung des kostbaren Rohstoffs. Bauholz, Brennholz, Rinde und Harz galten als wichtige Rohstoffquellen und sicherten das Überleben unter extremen Bedingungen.
Ein wichtiges Beispiel für die Prägung der Pflanzen- und Tierwelt durch den Menschen ist zudem die Kiefer. Sie wurde nachträglich durch die Besiedlung durch Menschen in die Senne gebracht. Von Menschenhand gepflanzt ist sie seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Senne und stabilisiert mit ihren tiefen Pfahlwurzeln den Boden.

Die enge Verbindung zwischen Natur- und Kulturgeschichte wird stark durch die Wälder der Senne geprägt.