Eine Holzstange trägt einen Maibaumkranz für ein Schützenfest. An dem Kranz hängen viele bunte lange Bänder, die im Wind wehen.

Traditionen und Bräuche

Wo Gemeinschaft gefeiert wurde

Wo Gemeinschaft gefeiert wurde

Traditionen als Lichtblicke im entbehrungsreichen Alltag

Feste und Bräuche waren in der historischen Senne durchaus mehr als nur Feierlichkeiten. Sie waren seltene und kostbare Momente der Gemeinschaft, des Feierns und der Hoffnung. Das Leben im Alltag war geprägt von harter Arbeit und entbehrungsreichen Momenten. Umso mehr Bedeutung hatten die wenigen Anlässe, die gemeinsam begangen wurden.

Erntefeste, Hochzeiten, Taufen und kirchliche Feiertage schufen beispielsweise Augenblicke der Freude, des Zusammenhalts und des Dankes.

Bräuche wurden von Generation zu Generation weitergegeben und prägten das Leben der Menschen nachhaltig. Eine zentrale Rolle spielte dabei auch die Sprache. Plattdeutsch war in der historischen Senne die Alltagssprache und ein Ausdruck von Identität. Die Geschichte der Sprache lebt in heutigen Liedern, Gedichten und überlieferten Redewendungen weiter. Es gilt, sie auch für kommende Generationen zu bewahren.


„Säo ha wey freuher köüert.“

Sprache als Teil der regionalen Identität

Mit dem Schwund des Plattdeutschen aus der Region verschwindet nicht nur eine Sprache, sondern auch ein Stück Identität. Doch woher kommt das Plattdeutsch, warum verschwindet es und kann man es vielleicht sogar für kommende Generationen lebendig gestalten?

Über Jahrhunderte lang wurde in der historischen Senne Plattdeutsch gesprochen. Dabei variierte die Ausdrucksweise stark von einem Dorf zum nächsten – jeder Dialekt brachte seine ganz besonderen Eigenarten mit sich.

Man hört sie heute nur noch selten, doch diese Sprache war fester Bestandteil im Leben der Menschen. Das Verschwinden dieser Sprache hat vielfältige Gründe:

Etablierung des Hochdeutschen

Das Hochdeutsch setzte sich schon früh als gängige Kommunikationsform in der Bildung, der Verwaltung und den Medien durch. Dadurch wurde das Plattdeutsch immer mehr verdrängt. Zudem wurde es als ländliche Sprache stigmatisiert und galt als „weniger gebildete, bäuerliche Ausdrucksweise“.

Sprachverlust innerhalb der Familie

In den meisten Familien in der Senne wurde im Alltagsgebrauch ausschließlich Plattdeutsch gesprochen. Um den Kindern jedoch bessere Lern- und Bildungschancen zu geben, wurde auch in den Familien zunehmend weniger Plattdeutsch gesprochen und die Kinder zum größten Teil auf Hochdeutsch erzogen – die Weitergabe des Dialekts wurde unterbrochen. Die ältere Generation redete zwar weiterhin untereinander auf Plattdeutsch, mit den Jüngeren wurde jedoch automatisch Hochdeutsch gesprochen.

Urbanisierung und Verlust einer Sprechergeneration

Der Umzug in Städte von jungen Menschen beschleunigte den Rückgang des Plattdeutsch extrem. In den umliegenden Städten gab es eine bessere Anbindung und größere Chancen auf Arbeit. Zudem ist die Generation, für die Plattdeutsch die Muttersprache war, altersbedingt nur noch sehr ausgedünnt vertreten. Somit fand auch die Weitergabe von Generation zu Generation nur noch geringfügig statt. Zudem fand ein massiver Rückgang der Plattdeutschen Sprache ab dem Jahre 1945 statt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem totalen Zusammenbruch Deutschlands kamen viele Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten in die Region. Ihnen war das Plattdeutsche nicht bekannt. Auch durch diese Ereignisse setzte sich das Hochdeutsch immer mehr durch.

Mangelnde Standardisierung

Plattdeutsch ist eine Sprache, die größtenteils mündlich überliefert wurde und nicht über eine einheitliche Rechtschreibung mit bindender Grammatik verfügt. Ein Erlernen ist somit ohne eine sprechende Generation schwer – aber nicht unmöglich! Auch heute haben es sich einige interessierte Organisationen zur Aufgabe gemacht, das Erlernen von Plattdeutsch auch für jüngere Generationen zugänglich zu machen.


Auf dem Foto sind die Mitglieder von dem Plattdeutschen Kreis in Hövelhof in historischer Kleidung zu sehen. Aufgenommen wurde das Foto im Heimatzentrum Hövelhof.

Sprachliches Erbe bewahren

„So cheiht datt!“

Das Plattdeutsch ist noch nicht ganz verschwunden. Es wird in vielen kulturellen Momenten des Alltags bewahrt – etwa in der Heimat- und Kulturpflege, in Theaterstücken oder künstlerischen Aspekten.

Der Plattdeutsche Kreis in Hövelhof setzt sich aktiv für den Erhalt und die Pflege der plattdeutschen Sprache ein und erhält die Traditionen der Senne mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen aktiv am Leben. Für ältere und jüngere Generationen wird Heimat erlebbar gemacht - zum Beispiel bei dem Bauernmarkt in Hövelhof, dem Umzug beim Erntedankfest und natürlich nicht zuletzt bei Veranstaltungen am Heimatzentrum Senne. Einer eigenen Jugendgruppe und Sonderaktionen für Schülerinnen und Schüler werden alte Tätigkeiten und Brauchtum mit spannenden Aktionen nähergebracht. So bleiben Sprache und Traditionen nicht nur in Erinnerung, sondern werden auch ein lebendiger Teil regionaler Identität und gelebter Heimatpflege.

Weitere spannende Informationen zum Plattdeutschen Kreis in Hövelhof finden Sie hier:

Hier gibt es mehr Informationen!

Eine Frau in einem blauen Kleid und einem gelben Rock, mit einer roten Schleife im Haar, steht neben einem Klemmbrett mit blauem Einband und weißem Hintergrund und hält einen roten Stift in der Hand.

Wie köüerst Du upp Platt??

Finden Sie es im Plattdeutsch-Quiz heraus!

Plattdeutsch ist viel mehr als nur eine Sprache - es bedeutet auch heute noch für viele Menschen ein Gefühl von Zuhause und Gemeinschaft. Im Plattdeutschen kann man seinem Gegenüber Dinge sagen, die im Hochdeutschen nicht so gut ankämen. Außerdem gibt es kein Du-Sie Problem. In jedem Wort steckt ein Stück Geschichte, die erhalten werden muss.

Lassen Sie vertraute Klänge ertönen oder entdecken Sie etwas ganz Neues!

Wir werden Ihnen jetzt kurze Sätze in Plattdeutsch vorspielen. Versuchen Sie, die richtige Bedeutung zu finden!

Hier gehts zum Quiz

Zu sehen sind die Siene Puttkers, eine Band, in traditoneller Kleidung mit traditionellen Musikinstrumenten in der Senner Heide. Sie halten zum Beispiel ein Akkordeon, eine Gitarre und eine Trommel. Im Hintergrund sind blühende Heidekräuter und Heidschnucken zu sehen.

Die Siene Puttkers

Plattdeutsch, Musik und gelebte Senne

Seit über 30 Jahren tragen die Siene Puttkers nun schon mit viel Humor, Tiefgang und Heimatliebe dazu bei, dass die Traditionen und die plattdeutsche Sprache der Senne erhalten bleiben. Ihre Lieder erzählen von Arbeit, von Gemeinschaft und Alltag – aber vor allem vom Leben der Menschen. Mal heiter, mal nachdenklich, aber immer authentisch.

Das besondere Klangbild der Siene Puttkers, eine außergewöhnliche musikalische Mischung aus irischer Folklore und volkstümlicher Musik, bewahrt Traditionen und hält sie lebendig.

Die Siene Puttkers ziehen, auch gern in historischer Kleidung, durch die Region und sind auf vielen Veranstaltungen anzutreffen. So „puttkern“ sie durch ihre Heimat und bringen den Menschen musikalische Geschichte nahe. In Liedern, die von damals erzählen und auch heute noch berühren, zeigen sie, dass Musik einen großen Beitrag zum Erhalt der plattdeutschen Sprache und geliebter Traditionen leistet.

Ihre Studioaufnahmen sind auf Spotify, YouTube und anderen Streaming-Diensten verfügbar.
Hier geht's zur musikalischen Hörprobe:

Hier gibt es noch mehr!

Dät is nou vorbey...!

Kennst däou dät Land

De Schönste in´n Sienesand


Lebendige Erinnerungen

Feste und Bräuche in der historischen Senne

Gemeinschaft, Musik, Tanz und Geselligkeit – all das brachten die Feste und Feierlichkeiten in der Senne mit sich und lenkten somit vom harten Alltag ab. Heiß ersehnt wurden Schützenfeste, Hochzeiten und weitere heitere Veranstaltungen, um sich von der Arbeit auf dem Feld und Hof kurzzeitig zu erholen – sie waren die geschätzten Höhepunkte in der Dorfgemeinschaft und die Menschen bedachten sie mit großer Bedeutung.

Eine formell gekleidete Hochzeitsgesellschaft versammelt sich auf einer Wiese vor dem Hintergrund von Bäumen und bewölktem Himmel.

Hochzeiten und private Feiern

Hochzeiten und Jubiläumshochzeiten waren ein willkommener Grund, um zu feiern. Es wurde gemeinsam geschmückt und musiziert, das gesamte Dorf wurde eingebunden. Traditionelle Speisen, Hochzeitsumzüge und festliche Kleidung machten diese Tage zu etwas Besonderem. Ein verloren gegangener Brauch ist der Hochzeitsbitter, der die Gäste auf besondere Art zur Feier einlud und in ganz alter Zeit auch das Festmahl organisierte. Auch runde Geburtstage oder Taufen wurden oft im erweiterten Kreis der Familie ausgelassen zelebriert.

Um 1950 Kinderschützenfest

Schützen- und Kinderschützenfeste

In fast jedem Dorf gab es traditionell Schützenfeste, sowie Kinderschützenfeste – sie wurden mit großer Begeisterung gefeiert und haben auch heute noch in vielen Dörfern einen festen Platz im Jahreskalender. Mit viel Musik, Tanz, Umzügen und Geselligkeit wurde nach dem Vogelschießen feierlich das Königspaar gekürt und ausgiebig gefeiert. Schon den Jüngsten wurde mit Kinderschützenfesten die Möglichkeit gegeben, Tradition zu erleben.

etwa 1938-39

Erntezeit als Moment der Dankbarkeit

Die Landwirtschaft war für viele Bewohner der historischen Senne der harte Arbeitsalltag. Nach Abschluss der mühevollen Arbeit auf den Feldern markierte das Ende der Erntezeit einen wichtigen Meilenstein im Jahreslauf. Durch Erntedankgottesdienste wurde diese Zeit in der Kirche besonders gewürdigt. Die Menschen baten um Segen für die Zukunft und dankten für die eingebrachten Erträge.

Die Gottesdienste waren für die tiefreligiösen Bewohner der Senne ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Sie boten Gelegenheit, um innezuhalten und auf die geleistete Arbeit und den Alltag zurückzublicken. Die Erntedankgottesdienste waren somit ein Ausdruck von Verbundenheit mit der Natur sowie ihrem fest verankerten christlichen Glauben.

Eine Gruppe festlich gekleideter Kinder versammelt sich zum Weihnachtsspiel in einem Raum, umgeben von Weihnachtsbäumen und einer festlichen Atmosphäre.

Weihnachten in der Senne

Im Kreise der Familie durfte auch das Weihnachtsfest zum Ende des Jahres nicht fehlen. Gemeinschaftlich wurde gegessen und gesungen, es wurden Gedichte aufgesagt und es gab das ein oder andere kleine Geschenk. Besonders für die Kinder war die Adventszeit eine besonders magische Zeit voller Vorfreude.

Zu sehen ist der traditionelle Hochzeitsbitter mit einem Zylinder, Gehstock und Bändern an der Krempe. Er trägt einen schwarzen Anzug.

Der Hochzeitsbitter

Als Worte statt Karten die Botschaft trugen

Ausgestattet mit einem Zylinder, einem Stock mit bunten Bändern und einem Flachmann zog der Hochzeitsbitter in der historischen Senne von Haus zu Haus. Wie sein Name schon vermuten lässt, bat er Verwandte, Freunde und Nachbarn zur Hochzeit – denn Karten wurden in der damaligen Zeit für solche Feierlichkeiten nicht geschrieben.
Die frohe Botschaft der Einladung wurde von einem kleinen Spruch begleitet und somit im ganzen Dorf verbreitet.
Die Tradition des Hochzeitsbitters war somit ein fester Bestandteil der Vorfreude und machte eine Hochzeit schon vorab zu einem feierlichen Ereignis, das alle miteinander verband.