Schule im Jahr 1961

Die Pannkaukenschule

Beginn einer Schulgeschichte

Neue Zeiten für kleine Köpfe in der Hövelsenne

Bau der ersten Schule

Die kleine Siedlung wuchs rasch zu einem lebendigen Ort, an dem sich viele Menschen aus der umliegenden Region niederließen. Um den Kindern den weiten und beschwerlichen Schulweg nach Hövelhof zu ersparen, wurde im Jahre 1800 die erste eigene Schule errichtet – die sogenannte „Pannkaukenschule“. Sie wurde nach dem ersten Lehrer „Caspar Pfannkuch“ und seinem ebenfalls im Lehramt tätigen Sohn Benediktus benannt.

Zur Stelle des Lehrers zählten zusätzlich eine Dienstwohnung, die sich direkt an der Schule befand, ein Garten, eine Wiese, ein Heidegrundstück und ein Stück Ackerland.

Die Schule gab den Kindern nicht nur einen Ort zum Lernen, sondern wurde schnell zu einem zentralen Punkt des Dorfgeschehens für die Hövelsenner Kinder und Jugend. Mehr als 160 Jahre Unterrichtsgeschichte durften die Schüler in der „Pannkaukenschule“ erleben – bis im Jahre 1966 dann schlussendlich das letzte Kapitel der Schule endete. Die verbliebenen 22 Schüler wurden der Mühlenschule in Hövelhof angegliedert.


Acht farbenfroh gekleidete Kinder und ein Lehrer sitzen in einer Reihe auf einer Wiese mit hohem Gras und halten jeweils eine Flöte in der Hand. Der Unterricht findet im Grünen statt.

Flötenunterricht im Grünen

Mit Lehrer Schneider im Jahr 1961

An sonnigen Tagen fand der Unterricht teilweise draußen statt. Umgeben von Wiesen, Bäumen und Blumen übten die Schülerinnen und Schüler fleißig ihre Flötenstücke. Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der Bäume und das Rascheln der Gräser trugen dazu bei, dass das Lernen zu einem wunderbaren Erlebnis wurde. Die Natur schuf eine besondere Atmosphäre und wurde so zu einem selbstverständlichen Teil im Leben der Kinder.

Neun formell gekleidete junge Personen posieren vor einem Backsteingebäude, darunter zwei Mädchen und sieben Jungen, in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme. Es handelt sich um die Schulentlassung im April 1962.

Schulentlassungen in der Hövelsenne

Hier im April 1962

Der Blick auf neue Wege markiert für alle Kinder einen besonderen Übergang in einen neuen Lebensabschnitt – damals wie heute. Im feierlichen Rahmen verabschiedeten sich die ehemaligen Schülerinnen und Schüler von Freunden, Lehrern und den ihnen vertrauten Räumen. Mit den Zeugnissen in der Hand blickten sie einer Zukunft entgegen, die von Entbehrungen geprägt sein würde. Denn das Leben in der Senne war nicht einfach. 

Ein Klassenzimmer mit Schülern, die an hölzernen Schreibtischen sitzen und konzentriert arbeiten, mit einem Gemälde an der Wand und einer Pinnwand darüber.

Ein Blick in vergangene Klassenzimmer

Lernen im Jahr 1958

Einfach und zweckmäßig – diese beiden Leitsätze spiegelten sich auch in den Klassenzimmern der historischen Senne wider. Holztische und -stühle zogen sich Reihe für Reihe durch den Raum. Auch die Ausstattung der Schüler umfasste nur das Nötigste. Ein Griffelkasten, ein Schreibheft und eine Büchertasche waren meist die einzigen Lernmittel, die die Kinder zur Einschulung erhielten. Und doch wurde Wissen vermittelt und Gemeinschaft gelebt: Das Leben der Kinder wurde durch gemeinsame Gespräche in den Pausen und den einen oder anderen Schabernack geprägt.


Stark im Alltag, beweglich im Leben

Turnen als wichtiger Teil der Schulzeit

Auch im Schulalltag der Hövelsenner Kinder spielte der Turnunterricht eine wichtige Rolle. Moderne Turngeräte gab es noch nicht, das schreckte aber weder den Lehrer noch die Kinder davon ab, sich körperlich zu verausgaben. Auch die Natur selbst war oft Bewegungsraum für die Kinder. Im Turnunterricht, aber auch in der Freizeit.

Zur Schule zählten zudem zwei eigene Spielplätze– ein größerer und ein kleinerer. Der kleinere Platz war meist den Mädchen für Turnübungen oder Völkerball vorbehalten. Auf dem größeren Platz spielten die Jungen meist Fußball, Schlagball und weitere Ballspiele.

Sport als Unterrichtsfach bedeutete damals wie heute Kraft sammeln und die Geschicklichkeit trainieren. Das waren Fähigkeiten, die ebenfalls im Alltag und auf dem Hof oder Feld benötigt wurden.


1800
Gründung der "Pannkaukenschule"
Mit Casper Pfannkuch begann im Jahr der Unterricht in der „Pannkaukenschule“. Bis 1832 führte er das Lehramt, bis nach über drei Jahrzehnten sein Sohn Benediktus Pfannkuch die Stelle übernahm.
1869
Wachsendes Klassenzimmer
Insgesamt 128 Schülerinnen und Schüler zählte die Schule im Jahr 1869. Darunter befanden sich auch 17 Kinder aus dem nahegelegenen Taubenteich.
Um 1900
Mehr Raum für kleine Denker
Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wuchs stetig an, sodass um 1900 ein weiterer Klassenraum angebaut wurde. Die Erweiterung der Räume machte nicht nur Platz für mehr Kinder, sondern ermöglichte auch einen besseren Unterricht.
1909 + 1935
Neue Lehrstellen, neue Chancen
Um den wachsenden Unterrichtsbedarf zu decken, wurde im Jahr 1909 die zweite und im Jahr 1935 die dritte Lehrstelle eingerichtet. Die Schule konnte somit besser auf die steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern reagieren.
1965
Stiller Wandel
Im Mai 1965 lag die Anzahl der Schülerinnen und Schüler nur noch bei 38. Die einst so lebendige Schule in Hövelsenne wurde einklassig und deutlich ruhiger als in vergangenen Jahren. Die letzten Umsiedlungen wurden finalisiert.
1966
Stilles Ende der "Pannkaukenschule"
Schließlich wurde der Unterricht Ostern 1966 eingestellt und die Schule aufgelöst. Ein Ort, der über Jahrzehnte Lernen, Gemeinschaft und Kindheit geprägt hatte, endete still. Geblieben sind Erinnerungen und Spuren vergangener Tage.

Ein baufälliges, teilweise eingestürztes Backsteingebäude, die alte Schule, steht inmitten eines Feldes mit trockenem Gras und heruntergefallenen Blättern, über dem ein klarer blauer Himmel hängt.

Erinnerungen an Unterricht und Gemeinschaft

Die stille Ruine der alten Schule

Nach der Auflösung des Dorfes verlor die „Pannkaukenschule“ ihre Funktion. Zum Beginn der Umsiedlung betrug die Zahl der Schülerinnen und Schüler noch zwischen 150 und 170 Kindern. In den folgenden Monaten sank die Schülerzahl jedoch schnell und drastisch, da bereits viele Familien umgesiedelt wurden. Im Mai 1965 betrug die Schüleranzahl nur noch 38 Schüler. Im Jahre 1966 wurde die Schule zu Ostern schlussendlich aufgegeben.

Das Gebäude, das einst Mittelpunkt von Bildung und Gemeinschaft war, verfiel im Laufe der Zeit und ist heute ein stilles Zeugnis vergangener Zeiten. Von der einstigen Ruine ist heute kaum noch etwas zu erkennen. Lediglich ein Schutthaufen erinnert heute noch an die bewegte Geschichte des Ortes und an eine enge Dorfgemeinschaft, die das Leben in der Senne über Generationen hinweg nachhaltig prägte.