Das ehemalige Taubenteich
Ein aufgelöstes Dorf in der Senne
Ein aufgelöstes Dorf in der Senne
Ein "Weiler", versteckt im Walde
Gut versteckt und umgeben von uralten Baumbeständen befand sich das kleine Dorf Taubenteich. Im 17. Jahrhundert gegründet, wurde es historisch auch als "Weiler" bezeichnet. Ein "Weiler" umschreibt eine ländliche Siedlung, die typischerweise aus 3-20 Gehöften besteht und oft landwirtschaftlich geprägt ist. Die Ansiedlung von Menschen in der abgelegenen Senne wurde von den edlen Herrschaften zu Lippe und dem Preußischen Staat gefördert. Eine Besiedlung der kargen Landschaft brachte mehr Kontrolle über das Gebiet und sollte zusätzlich dem Schmuggel entgegenwirken. Die Menschen wurden durch den günstigen Erwerb von Grund und durch steuerliche Vorteile in die einsame Gegend mit ihren kargen Böden gelockt.
Unterschieden wurde zwischen dem preußischen und dem lippischen Taubenteich. Dabei gehörte der preußische Teil zu Lippspringe und der lippische Teil der Gemeinde Haustenbeck an. Die Bewohner Taubenteichs fühlten sich jedoch grundsätzlich Lippspringe zugehörig. Dort wurden sie getauft, getraut und beerdigt. Einen eigenen Friedhof, eine Kirche oder Schule gab es in Taubenteich nicht und so spielte sich das soziale Leben gänzlich in Bad Lippspringe ab.
Alltag, Glaube und Zusammenhalt
Die Sicherung des Lebensunterhaltes
Zwischen Armut und Gesetz
Spiegel der Senne
Unmittelbar in der Nähe von Taubenteich lagen die „Lippesche Teiche“. Sie wurden zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert zur Fischzucht genutzt. Die gemeine Bevölkerung hatte jedoch wenig davon, da die Fischereirechte bei den edlen Herrschaften lagen. Die Fischzucht sollte den großen Hunger der edlen Herrschaften stillen, die dem Freitagsgebot entsprechen wollten. Da am Freitag aus religiösen Gründen kein Fleisch verzehrt werden sollte, diente der Fisch als schmackhafter Ersatz. Noch heute zeugen Reste alter Dammbauten und Wasserläufe an der Lutter von dieser nachhaltigen Wirtschaftsform.
Der Wandel einer Landschaft
Heute ist von Taubenteich kaum noch etwas sichtbar. Alte Wegeführungen und archäologische Spuren geben Hinweise auf das einstige Dorf und die Menschen, die dort lebten. Die Ansammlung von Gehöften bestand nachweislich nicht aus gemauerten Häusern, sondern durchweg aus Fachwerkhäusern, die über die Jahre gänzlich verfallen sind. Alles, was bleibt, ist ein stiller Ort der Erinnerung und ein Beispiel von enger Verflechtung zwischen Natur und Zivilisation.
Auflösung durch den Truppenübungsplatz
Im Jahre 1892 wurde das Dorf durch die Erweiterung des Truppenübungsplatzes vollständig aufgegeben. Die Bewohner mussten weichen, das Dorf wurde geräumt und verschwand mit den Jahren Stück für Stück in der Natur der Senne.
Ein Dorf zieht weiter
Nach der Auflösung des Dorfes traten einige der Häuser in Taubenteich eine kuriose Reise an. Vermutlich vier der Fachwerkhäuser wurden sorgsam Balken um Balken abgetragen, um an einem neuen Standort wieder aufgebaut zu werden – und zwar im nahegelegenen Lippspringe.
So entstanden an neuen Orten bekannte Formen. Das war für die Bewohner aus Taubenteich ein schmerzhafter und gleichzeitig tröstlicher Prozess. Ihre Geschichte wurde so in einen neuen Heimatort weitergetragen. Als weitere Entschädigung erhielten die Bewohner Taubenteichs vermutlich Grundstücke in Lippspringe und der näheren Umgebung. Bis heute erinnert der "Taubenteicher Weg" in Bad Lippspringe an diese Ereignisse.
Geschichten, die über Generationen weitergetragen wurden
Als Teil von lebendigen Familiengeschichten ist Taubenteich viel mehr als nur ein Ort der Vergangenheit. Herr Ludwig Mikus, dessen Ur-ur-Großvater in Taubenteich geboren wurde, erzählt von Erinnerungen und Eindrücken, die über Generationen weitergegeben werden.
Von Eltern zu Kindern, von Großeltern zu Enkeln.
Herr Ludwig Mikus lebt in Bad Lippspringe und ist heute 75 Jahre alt. Seine mündlich überlieferten Erfahrungen geben einen lebendigen Einblick in den Alltag der Menschen und übermitteln spannende Informationen rund um die Senne und ihre geschichtsträchtige Vergangenheit.